Das Wort Oralismus steht für eine rein lautsprachliche Erziehung tauber Kinder, bei der fast gänzlich auf die Gebärdensprache verzichtet wird. Der Fokus liegt stattdessen auf der Bildung von Sprechlauten und Lippenlesen.
Es wird zwischen „reinem“ Oralismus, bei dem die Gebärdensprache strengstens untersagt wird, und „mildem“ Oralismus unterschieden, bei dem Hörende allgemein verständliche Gesten oder das Fingeralphabet nutzen.

In Deutschland begann die oralistische Erziehung Ende des 18. Jahrhunderts mit Samuel Heinicke, und fand in vielen Ländern Anerkennung.
Die Perspektive der ausschließlich hörenden Gehörlosenpädagogen dominierte über die Perspektive der tauben Menschen, welche vernachlässigt wurde und die Ausgrenzung tauber Menschen weiter vorantrieb.
Dies führte 1880 zum Mailänder Kongress, der fortan jeden Gebrauch von Gebärden strengstens untersagte und das ausschließliche Sprechen und Mundabsehen in den Vordergrund stellte. Taube Lehrer wurden nicht mehr eingestellt oder entlassen, sodass es an den meisten Gehörlosen- und Schwerhörigenschulen keine Gebärdensprache mehr gab. Die Abstimmung des Mailänder Kongresses fand unter Ausschluss der Gehörlosen statt und wurde somit nur von Hörenden abgehalten.

Diese definierten die Gebärdensprache als „Affensprache“, was zum Verbot der Gebärdensprache in vielen Ländern führte. Besonders der amerikanische Artikulationslehrer Alexander Graham Bell trat für dieses Verbot ein. Bell ist zudem der Erfinder des „gehörlosenfeindlichen“ Telefons.
Einige wenige Gehörlosenlehrer versuchten, heimlich Gebärden in ihren Unterricht einzubringen, doch nach außen vertraten sie pflichtbewusst die orale Methode.

Der Oralismus dauerte 100 Jahre an und führte zur Demütigung der Gebärdensprache und der Gehörlosenkultur. Bis heute sind die Nachwirkungen des Oralismus noch spürbar.

1975 wurde das Fingeralphabet in die Gehörlosenschulen wiedereingeführt. Mit der Zeit begriffen vereinzelte Pädagogen, wie wichtig die Gebärdensprache für gehörlose Kinder ist und suchten nach Möglichkeiten, diese an den Schulen zu fördern.

1985 fand ein Kongress zur Erziehung und Bildung Gehörloser in Hamburg statt, bei dem es lebhafte Diskussionen und viel Beteiligung gab. Man verstand endlich, dass die Gebärdensprache eine eigenständige Sprache mit eigener Grammatik ist, die dringend wieder an den Gehörlosenschulen aufgenommen werden musste. Ein bilingualer Ansatz wurde gewünscht.

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