Der Zweite internationale Taubstummenlehrer-Kongress wurde im September 1880 in Mailand durchgeführt und wird in Gehörlosenkreisen als Mailänder Kongress bezeichnet. Die Taubstummenlehrer sprachen sich damals mit großer Mehrheit für die rein orale Erziehung der Gehörlosen, und gegen die Gebärdensprache aus. Bis etwa 1850 wurden noch unterschiedliche Ansätze für die Erziehung gehörloser Kinder vertreten, ehe sich der Meinungswandel zu den Unterrichtsmethoden vollzog.

Die orale Methode fand nicht nur unter den deutschen Gehörlosenpädagogen großen Anklang, sondern auch in anderen Ländern wie Frankreich und Italien. Die Pädagogen dachten, sie würden die gehörlosen Kinder so am besten fördern.
In Italien war die orale Methode zu dem Zeitpunkt am weitesten verbreitet, sie galt als die einzig richtige Methode, um gehörlose Kinder zu unterrichten. So kam es, dass die Mailänder Gehörlosenschule 1880 Vertreter der Gehörlosenpädagogik aus ganz Europa zu einem Kongress einlud. Sie stellte dort ihre Methoden vor und bezeichneten die Lernerfolge der gehörlosen Kinder als positiv.

Zu dem Kongress wurden keine tauben Lehrkräfte eingeladen, sodass die Beschlüsse am Ende des Kongresses ohne Berücksichtigung der Perspektive der Tauben gefasst wurden.
Der Unterricht wurde fortan nur noch oral durchgeführt. Die gehörlosen Kinder wurden in kleinen Klassen unterrichtet und mussten in mühevoller Arbeit das Ablesen von den Lippen sowie die Artikulation der Lautsprache erlernen. Die Gebärdensprache wurde als überflüssig bewertet und aus dem Unterricht verdrängt und verboten.
Auch andere Länder, die nicht an dem Kongress teilgenommen hatten, stellten den Unterricht auf die orale Methode um, als sie von den angeblich positiven Erfolgen hörten.
Über 100 Jahre lang wurde gehörlosen Kindern die einzige Möglichkeit zur vollständigen Kommunikation und zum Lernen durch das Verbot der Gebärdensprache verwehrt. Die Entschlüsse des Kongresses hatten weitreichende und langanhaltende Folgen für die Gehörlosengemeinschaft.
Erst 2010, bei der internationalen Konferenz zur Bildung und Erziehung Gehörloser, wurden die Beschlüsse des Mailänder Kongresses aufgehoben. Die negativen Folgen für die Gehörlosengemeinschaft wurden bedauert.

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